Charakter?  - ein kleiner Hund eben!

Ich möchte diese Seite speziell den Vertretern kleiner Rassen widmen, weil diesen Hunde häufig, völlig zu unrecht, entweder nichts zugetraut oder sie bestenfalls als agressive Fußhupen oder kläffende "Meerschweinchen" abgestempelt werden. Auf meiner Spielwiese für kleine Hunde stelle ich immer wieder fest, wie sehr gern diese Hunde arbeiten möchten und wie konzentiert sie ihre Aufgaben verrichten, wenn sie als Hunde, also als hochsoziale, intelligente Lebewesen, wahrgenommen und auch so behandelt werden. Sie sind oft beweglich wie kleine Artisten und intelligent wie kleine "Einsteins". Da man ihnen aufgrund ihrer Körpergröße wenig zutraut, müssen sie sich oft benehmen wie kleine Napoleons, kämpferisch und durchsetzungsfähig. Eigentlich müssen sie ihr ganzes Leben darum kämpfen, als Hunde überhaupt ernst genommen zu werden. Und das bekommen sie von Welpenbeinen an zu spüren. Bei einem großen Hund hat sich das "Stofftiersyndrom" schnell erledigt und niemand findet den stattlichen "Goliath" von 80 cm Körperhöhe einfach nur niedlich , wenn er angestürmt kommt und sein Gegenüber mit einem tiefen Wuff freudig um den Hals fällt. Wir merken schnell, daß wir bei unserem großen Hund auf Verhaltensregeln achten müssen, um überhaupt miteinander Leben zu können. Bei einem kleinen Hund, naja...., muß das doch nicht so sein oder? "Einen kleinen Hund muß man ja nicht so erziehen... ",  braucht er denn keine Verhaltensregeln, nur weil er klein ist??? In der Natur geht die Erziehung nicht erst ab 30 cm los. Erziehung ist eine Schaffung von Verhaltensregeln für ein harmonisches Miteinander. Im Hunderudel, wo ein hierarisches Gesellschaftsform herrscht, ein unabdingbares "Muß".    Oft wurden sie als Schoßhunde gezüchtet und werden leider nicht selten auch so behandelt. Wenn wir bedenken, daß ein Hund ein Lauftier ist, sollten wir ihnen wenigstens zugestehen, Begleithunde zu sein. Viele der kleinen Rassen sind seit Generationen als Arbeitshunde gezüchtet worden und sollen heute nur noch das Sofa hüten und sich lieb von uns streicheln lassen. Naja, es geht auch schon Gassi, aber wo bleibt die Zusammenarbeit mit dem Menschen, ich meine die seit tausenden von Jahren praktizierte Arbeit zwischen Mensch und Hund??? Auch eine kleiner Hund kann und will!!!  arbeiten. Versuchen Sie es einmal. Die meisten Hunde sind total begeistert. Beobachten Sie mal Ihren Hund, wie er sich zudem auch plötzlich ganz anders verhält. Ein Thema, was mir besonders am Herzen liegt, ist die Erlernung des Umgangs mit anderen, auch größeren Hunden. Aus Angst, dem kleinen zerbrechlichen Hund könnte beim Spiel mit seinen Artgenossen etwas zustoßen, finden diese Begegnungen gar nicht erst statt oder nur kurz an der Leine, mit der Folge das der Hund keine Erfahrungen mit seinen Artgenossen sammeln kann und seine eigene Muttersprache verlernt und sich folglich meist völlig falsch verhält und häufig mit ängstlich- aggressiver Abwehr reagiert. Nach dem Motto, Angriff ist die beste Verteidigung. Auch wenn sich der kleine bellende und knurrende Hund von seinem Besitzer noch festhalten läßt, aber wissen Sie ob der Mensch gegenüber seinen großen Hund auch wirklich bändigen kann? Beide Menschen haben bei so einer Begegung das gleiche Problem. Nehmen wir mal an, daß beide Hunde sich nicht beruhigen wollen. Zwar tun beide Hunde genau das gleiche,aber für unser Empfinden ist der große Hund der unerzogene, böse, aggressive Beißer und der "Kleine" muß sich ja schließlich verteidigen und knurrt ja nur, weil er Angst hat. Dieses Empfinden ist zwar all zu menschlich, aber BEIDEN Hunden gegenüber ungerecht und für den kleinen Hund auf Dauer lebensgefährlich. Bei kleinen Hunden sind die Probleme nicht kleiner, als bei großen Hunden. Wir könne sie nur besser ignorieren. Ich finde es besonders wichtig, daß kleine Hunde regelmäßig auch mit großen Hunden spielen.  Selbstverständlich sollte man beim Spiel mit großen Hunden beachten, daß diese Erfahrung im Umgang mit kleinen Hunden haben und sich entsprechend rücksichtsvoll verhalten. 

Nun hoffe ich, daß Sie sich nach meinen Ausführungen nicht in eine  "Kleinhundebesitzerschublade" gesteckt fühlen.  Ich habe viele vorbildliche Beispiele von sozialisierten und gut erzogenen kleinen Hunden kennenlernen dürfen oder dazu geführt. Es ist wie ist immer ist in der Arbeit mit Hunden, es macht Spaß und es ist mühevoll und manchmal könnte man verzweifeln und am Ende hat man wieder jede Menge dazugelernt. Wie heißt es doch in einem chinesischen Sprichwort: " Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt."